Der Worst-Performing-Building-Bonus: wenn das schlechteste Haus am meisten bekommt

Es klingt paradox: Je schlechter das Gebäude, desto höher die Förderung. Dahinter steckt eine schlüssige Logik — dort ist die Einsparung je eingesetztem Euro am größten. Der WPB-Bonus ist deshalb einer der stärksten Hebel, die es aktuell gibt.

Fördersätze und Deckel ändern sich häufig. Die Angaben tragen den Stand Juli 2026; vor einem Antrag prüfen wir sie gegen die dann gültige Richtlinie.

Wann ein Gebäude ein WPB ist

Ein Worst Performing Building ist ein Gebäude, das aufgrund des energetischen Zustands seiner Bauteile zu den schlechtesten des deutschen Bestands gehört. Für die Förderung gibt es dafür zwei klare Wege.

Der erste ist rechnerisch: Ein Jahres-Endenergiebedarf von mindestens 300 Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr, ermittelt nach DIN V 18599 gemäß GEG. Die Berechnung darf bei Antragstellung höchstens ein Jahr alt sein und muss den Zustand unmittelbar vor der Maßnahme abbilden.

Der zweite ist ein Baualters-Kriterium: Ein Wohngebäude mit mehr als fünf Wohneinheiten und zentraler Warmwasserbereitung gilt unabhängig vom Rechenergebnis als WPB, wenn es Baujahr 1957 oder früher hat und im Wesentlichen energetisch unsaniert ist.

Was der Bonus bringt

Bei der Sanierung zum Effizienzhaus sind es zusätzliche zehn Prozentpunkte — und zwar für die Stufen 40 EE, 55 EE und 70 EE. Entscheidend: Der WPB-Bonus ist ausdrücklich kumulierbar mit dem Bonus für serielles Sanieren und mit der NH-Klasse. Eine Deckelung, wie es sie früher gab, steht nicht mehr in der Richtlinie.

Neu ab dem ersten Quartal 2027 kommt der Bonus auch bei Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle dazu, mit fünf Prozentpunkten. Nicht für Anlagentechnik und nicht für die Heizungsoptimierung — und nur für Maßnahmen, die Bestandteil eines individuellen Sanierungsfahrplans sind.

Warum sich der genaue Nachweis lohnt

Die 300-Kilowattstunden-Grenze ist eine harte Kante: knapp darüber gibt es zehn Prozentpunkte mehr, knapp darunter nichts. Bei 150.000 Euro förderfähigen Ausgaben sind das 15.000 Euro, die an einer einzigen Rechengröße hängen.

Genau deshalb sollte diese Zahl nicht geschätzt, sondern sauber bilanziert werden. Wer mit Pauschalwerten aus der Typologie rechnet, landet schnell auf der falschen Seite der Grenze — in beide Richtungen. Ein aufgemessenes Gebäudemodell mit den tatsächlichen Bauteilaufbauten ist hier nicht Perfektionismus, sondern der Unterschied zwischen Bonus und kein Bonus.

Häufige Fragen

Wie weise ich nach, dass mein Gebäude ein WPB ist?
Über die Energiebilanz nach DIN V 18599 beziehungsweise einen entsprechenden Energieausweis, der den Zustand unmittelbar vor der Sanierung abbildet und bei Antragstellung nicht älter als ein Jahr ist. Beim Baualters-Kriterium kommt die Dokumentation des unsanierten Zustands dazu.
Gilt der WPB-Bonus auch bei Einzelmaßnahmen?
Ab dem ersten Quartal 2027 ja, mit fünf Prozentpunkten und nur für Maßnahmen an der Gebäudehülle, die Teil eines individuellen Sanierungsfahrplans sind. Anlagentechnik und Heizungsoptimierung sind ausgenommen.
Lässt sich der WPB-Bonus mit anderen Boni kombinieren?
Ja. Die Richtlinie nennt ausdrücklich die Kumulierbarkeit mit dem Bonus für serielles Sanieren und mit der NH-Klasse. Damit sind beim Effizienzhaus in der Summe deutlich höhere Tilgungszuschüsse erreichbar als mit der Grundstufe allein.

Quellen und Grundlagen

  • Richtlinie BEG Wohngebäude vom 17.07.2026 — WPB-Bonus (+10 Prozentpunkte, kumulierbar mit SerSan-Bonus und NH-Klasse)
  • Richtlinie BEG Einzelmaßnahmen vom 17.07.2026 — WPB-Bonus für Hüllen-Einzelmaßnahmen ab Q1 2027
  • Anlage „Worst Performing Buildings im Sinne der BEG“ — Definitionskriterien